Algerien hat die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) abgebrochen. Damit eskalierte der seit Längerem schwelende Konflikt zwischen den beiden Ländern. Algier warf Abu Dhabi am Donnerstag eine Reihe "provokativer und feindseliger" Aktionen vor. Zugleich erklärte die algerische Regierung, sie habe alle Versuche ausgeschöpft, die Beziehungen aufrechtzuerhalten.
Der Bruch der Beziehungen erfolgt vor dem Hintergrund von Differenzen zwischen den beiden Staaten über Israel, die Westsahara sowie den mutmaßlichen Einfluss der VAE in Nordafrika und der Sahelzone.
Der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune hat den Vereinigten Arabischen Emiraten zudem wiederholt vorgeworfen, sich in die inneren Angelegenheiten Algeriens und in regionale Angelegenheiten einzumischen. Der Botschafter der VAE in Algerien, Yousef Saif Khamis Subaa Al-Ali, wurde ins Außenministerium einbestellt, über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen informiert und aufgefordert, das Land innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.
Algerien kündigte zudem an, ab Freitag seinen Luftraum für alle in den VAE registrierten Flugzeuge zu sperren. Ausgenommen sind kommerzielle Flüge der VAE von und nach Algier, für die die Regelung bis zum Jahresende nicht gilt.
Algerien hatte seine Unzufriedenheit mit den VAE bereits im Februar deutlich gemacht, als das Land damit begann, ein 2013 geschlossenes Luftverkehrsabkommen zwischen beiden Staaten aufzukündigen.
Algerien lehnt eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel ab. Die VAE hingegen nahmen 2020 im Rahmen der von den USA vermittelten Abraham-Abkommen diplomatische Beziehungen zu Israel auf und bauten seither ihre wirtschaftlichen, diplomatischen und verteidigungspolitischen Beziehungen zu dem Land aus.
Ein weiterer grundlegender Streitpunkt ist die Westsahara. Die VAE unterstützen den Anspruch Marokkos auf das umstrittene Gebiet, während Algerien die Polisario-Front bei ihrem Streben nach einem unabhängigen Westsahara unterstützt.
Die Spannungen mit Algerien sind nicht der einzige aktuelle regionale Konflikt der VAE. Algerien hat Abu Dhabi in der Vergangenheit beschuldigt, an der Destabilisierung von Ländern in Nordafrika und der Sahelzone wie Libyen, Mali und Sudan zu arbeiten.
Im Juli kritisierte der algerische Präsident Abdelmajid Tebboune die Vereinigten Arabischen Emirate scharf für ihren Einfluss in anderen Ländern und sagte: "Wo immer sie Fuß fassen, fließt Blut."
Im Januar kündigte Somalia sämtliche Abkommen mit den VAE in den Bereichen Häfen, Sicherheit und Verteidigung auf. Mogadischu warf Abu Dhabi vor, die Souveränität, nationale Einheit und politische Unabhängigkeit Somalias zu untergraben. Hintergrund sind unter anderem die engen Beziehungen der VAE zur abtrünnigen Region Somaliland.
Auch der Sudan hat die VAE wiederholt beschuldigt, die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) im Bürgerkrieg zu unterstützen – eine Miliz, der schwere Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Abu Dhabi weist die Vorwürfe zurück. Im Mai warf der Sudan den VAE zudem vor, Drohnen zu liefern, die bei Angriffen eingesetzt und von Äthiopien aus gestartet worden seien.
Auch das Verhältnis zwischen den VAE und Saudi-Arabien hat sich zuletzt verschlechtert. Die Spannungen eskalierten insbesondere im Jemen. Saudi-arabische Streitkräfte griffen im Dezember eine Waffenlieferung an, die Riad mit den VAE in Verbindung brachte. Die Lieferung war demnach für den separatistischen Südübergangsrat bestimmt. Zugleich forderte Saudi-Arabien den Abzug emiratischer Truppen aus dem Jemen.
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