Vor der Küste des westafrikanischen Landes Gabun ist am Samstagabend eine Förderplattform eingestürzt. Wie das auf die Energiebranche spezialisierte Onlinemagazin Offshore unter Bezugnahme auf die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, handelt es sich um die Hubbohrinsel "Prospector 5" des Offshore-Bohrunternehmens Borr Drilling.
Die mobile Hubbohrinsel (Jack-up Rig) sollte im Auftrag des Energiekonzerns BW Energy Erdöl im Ölfeld Dussafu Marin eine geplante Bohrkampagne vorbereiten. Die Bohrungen selbst hatten noch nicht begonnen. Berichte über Freisetzungen von Erdöl aufgrund des Vorfalls liegen nicht vor. Die Produktion am Unfallort ist vorläufig eingestellt worden.
Als mutmaßliche Unfallursache nennt Offshore einen sogenannten "Punch-Through"-Vorfall. Demnach war um 20:37 Uhr Ortszeit eines der Standbeine der Bohrinsel unerwartet in den Meeresboden eingedrungen, als die Besatzung Hebe- und Vorladearbeiten durchführte. Dies führte dazu, dass die Bohranlage insgesamt instabil wurde und sank. Der Unfallort soll sich in etwa auf der Höhe des Küstenortes Mayumba in der Provinz Nyanga befinden, in der Nähe der Produktionsanlage MaBoMo (auch Mabomont genannt).
Von den 115 Besatzungsmitgliedern konnten bei dem Vorfall 110 unverletzt geborgen werden. Zunächst wurden fünf weitere Crewangehörige als vermisst gemeldet. Medienberichten zufolge wurde einer der Vermissten, ein Inder, mittlerweile tot aufgefunden. Die Meldungen sind allerdings widersprüchlich.
Laut dem in Gabun ansässigen Online-Nachrichtenportal info241.com konnte hingegen noch keiner der Vermissten geborgen werden. Dem gabunischen Onlineportal zufolge handelt es sich bei den Vermissten um drei gabunische Staatsangehörige, den eben schon erwähnten Inder und einen Kroaten. Das Portal nennt auch die Namen der vermissten Personen.
Die gabunische Marine hat die Suche nach den Vermissten aufgenommen, die Suchmaßnahmen dauern aktuell an. Dass weiterhin fünf Mitarbeiter als vermisst gelten, bestätigte auch die Firma Borr Drilling am Montag auf ihrer Homepage.
Das gabunische Ministerium für Erdöl und Erdgas hat Reuters zufolge einen Krisenstab aktiviert und eine technische Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Mitglieder des Krisenstabs seien die gabunische Marine, der staatliche Ölkonzern Gabon Oil und die Firmen BW Energy und Borr Drilling, erklärte der zuständige Minister Clotaire Kondja. Laut dem CEO von Borr Drilling, Bruno Morand, laufen die Suchmaßnahmen auf Hochtouren weiter.
Mehr zum Thema – Für die Energiesicherheit Europas? – Norwegische Regierung beendet Streik von Öl- und Gasarbeitern