Der Konflikt um die Straße von Hormus eskaliert weiter – ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. Die iranische Revolutionsgarde erklärte, sie hätten am Mittwoch ballistische Raketen auf eine von den US-Streitkräften genutzte Basis in Jordanien abgefeuert und zugleich zehn Schiffe angegriffen. Zuvor hatten die USA nach eigenen Angaben fünf iranische Öltanker bombardiert.
Die zunehmenden Angriffe sowohl der USA als auch Irans haben eine Phase relativer Ruhe von rund einem Monat beendet. In den vergangenen Tagen wurden militärische Einrichtungen sowie Schiffs- und Energieinfrastruktur getroffen. Dies ließ die Ölpreise in die Höhe schnellen und zog regionale Verbündete weiter in den Konflikt hinein.
Die USA erklärten, am Dienstag fünf iranische Öltanker zerstört zu haben. Das US-Zentralkommando veröffentlichte Videoaufnahmen der Angriffe. Es bezeichnete sie als Reaktion darauf, dass die iranische Revolutionsgarde (IRGC) in den beiden Tagen zuvor zweimal ein Kriegsschiff der US-Marine mit ballistischen Raketen angegriffen hatte.
Die iranische Revolutionsgarde führte gestern Nacht als Vergeltung einen Angriff mit ballistischen Raketen auf eine von US-Truppen genutzte Basis nahe Al-Azraq in Jordanien durch. Das teilten die Revolutionsgarden in einer Erklärung mit. Ein US-Regierungsvertreter behauptete, die iranischen Angriffe in Jordanien seien wirkungslos gewesen und alle US-Soldaten seien wohlauf. Offenbar setzte Iran bei dieser Operation Raketen mit Streubombenköpfen ein, was auf eine weitere Eskalation des Konflikts hindeuten könnte.
Iran hat während des Krieges wiederholt US-Stellungen und Verbündete in der Region angegriffen, darunter mehrmals Jordanien. Bei einem Angriff im Juli wurden mindestens zwei US-Soldaten getötet.
Teheran erklärte am Mittwoch zudem, zehn Schiffe angegriffen zu haben – darunter zwei US-Schiffe und acht Öltanker –, die versucht hätten, ein als "verboten und unsicher" bezeichnetes Gebiet der Straße von Hormus zu durchqueren. Iran hatte zuvor Öltanker in den Häfen von Kuwait und Bahrain vor bevorstehenden Angriffen gewarnt. Eine Quelle aus dem Bereich der maritimen Sicherheit berichtete, dass ein Flüssigerdgas-Tanker im Hafen von Chaur Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten beschädigt worden sei.
Die strategisch wichtige Energieroute ist durch iranische Angriffe weitgehend blockiert. Die Ölpreise legten im frühen Handel am Mittwoch weiter zu. Brent-Öl näherte sich der Marke von 100 Dollar je Barrel, da die Märkte wegen der Störung des Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus besorgt sind.
Am Dienstag griffen unter anderem die Huthi mindestens vier Städte in Saudi-Arabien an. Bei den Huthi-Angriffen wurden 73 Menschen verletzt und Ölanlagen in Brand gesetzt. Der Angriff stellt offenbar eine erhebliche Ausweitung des Konflikts dar, der am 28. Februar mit gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf Iran begonnen hatte.
Die Huthi, die den Großteil der dicht besiedelten Gebiete Jemens einschließlich der Hauptstadt kontrollieren, setzen US-Verbündete zusätzlich unter Druck, indem sie immer wieder den Schiffsverkehr auf der anderen Seite der Arabischen Halbinsel am Eingang zum Roten Meer stören. Nach eigenen Angaben starteten sie eine groß angelegte Operation tief im saudischen Staatsgebiet. Dabei setzten sie Drohnen und Raketen ein und griffen einen saudischen Luftwaffenstützpunkt in der südlichen Stadt Chamis Muschait sowie Anlagen des staatlichen saudischen Ölkonzerns in Abha, Nadschran und Dschasan an. Die saudischen Behörden meldeten Brände an den betroffenen Standorten und erklärten, unter den Verletzten seien auch Frauen und Kinder.
Washington versucht, den Ölfluss auf den Weltmarkt zu erhöhen, indem die USA Schiffe durch die Straße von Hormus geleiten. Gleichzeitig soll eine Blockade die iranischen Ölexporte unterbinden. Das US-Zentralkommando erklärte, die am Dienstag zerstörten Tanker seien Teil eines "Schattennetzwerks" zur Finanzierung der Revolutionsgarde (IRGC) und ihrer regionalen Verbündeten gewesen.
Die iranische Revolutionsgarde hat unter anderem am Dienstag am Eingang zur Straße von Hormus eine unbemannte US-Unterwasserdrohne abgefangen. Laut iranischen Medien handelt es sich um ein Modell vom Typ Dive-LD des US-Rüstungsunternehmens Anduril. Man habe eine der modernsten Unterwasserdrohnen der US-Armee in die Falle gelockt, die mit neuester Technologie ausgestattet sei, teilt die Marine der Revolutionsgarden mit.
Am Dienstagabend erklärte Brigadegeneral Hossein Mohebbi, Sprecher der Revolutionsgarden, die Erbeutung der Drohne zeige, dass selbst modernste Technologie die Überwachungssysteme Irans in der Straße von Hormus nicht durchdringen könne.
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