Die nächste Flugreise könnte deutlich stärker ins Geld gehen. Ryanair-Chef Michael O’Leary erwartet für Europa den stärksten Anstieg der Flugpreise in der Geschichte. Die Tickets könnten innerhalb eines Jahres um bis zu 20 Prozent teurer werden. Ausschlaggebend sind die hohen Kerosinkosten, die seit dem Krieg im Nahen Osten die Luftfahrt belasten.
"In den nächsten zwölf Monaten" werde Europa den grössten Anstieg der Flugpreise seiner Geschichte erleben,
sagte O’Leary in Brüssel.
Für den Luftverkehr insgesamt ist das ein Warnsignal. Die höheren Treibstoffkosten schlagen zwar nicht überall sofort auf die Preise durch, dürften sich in den kommenden Monaten aber zunehmend auf die Ticketpreise für Passagiere auswirken.
Die europäischen Airlines haben einen Teil ihres Kerosinbedarfs im Voraus zu festen Preisen abgesichert. Das verschafft ihnen vorübergehend einen Vorteil gegenüber Fluggesellschaften, die stärker den aktuellen Marktpreisen ausgesetzt sind.
Doch die Absicherung schützt nicht unbegrenzt. Ryanair hat nach O’Learys Angaben 80 Prozent des Treibstoffbedarfs bis zum kommenden Frühjahr abgesichert. Für das folgende Geschäftsjahr sind es lediglich 15 Prozent. Muss die Airline größere Mengen zu den dann geltenden Marktpreisen einkaufen, kann das die Kosten erheblich erhöhen.
Bei Lufthansa ist die Lage weniger transparent. Der Konzern veröffentlicht keine aktuellen Angaben zur Absicherung für 2027. Die Ratingagentur Morningstar DBRS schätzt, dass die Lufthansa-Gruppe etwa die Hälfte ihres für 2027 erwarteten Kerosinbedarfs bereits abgesichert hat. Wie stark die höheren Treibstoffkosten die europäischen Fluggesellschaften treffen, hängt davon ab, zu welchen Preisen sie künftig neues Kerosin einkaufen müssen.
Die Airlines versuchen, einen Teil der Mehrkosten über höhere Ticketpreise weiterzugeben. Wie weit das gelingt, hängt von der Nachfrage, dem Wettbewerb und dem verfügbaren Sitzplatzangebot ab.
Für viele Familien könnte Fliegen damit zum Luxus werden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts konnten sich im Jahr 2025 rund 17,3 Millionen Menschen in Deutschland keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Das entsprach 21 Prozent der Bevölkerung. Steigen die Ticketpreise weiter, dürften sich noch mehr Familien den Flug in die Ferien nicht mehr leisten können.
Damit drohen höhere Kosten für die gesamte europäische Luftfahrt. Der prognostizierte Anstieg von bis zu 20 Prozent ist allerdings keine Gewissheit. Der Kostendruck dürfte sich bei vielen Airlines erst dann voll bemerkbar machen, wenn die bestehenden Kerosinverträge auslaufen und sie neuen Treibstoff zu deutlich höheren Marktpreisen einkaufen müssen.
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