Datenleck bei hohem BND-Beamten

Medienberichten zufolge pflegt der Vize-Chef der BND-Militäraufklärung einen lockeren Umgang mit seinen Daten im Internet. Handynummer, private E‑Mail-Adressen und Wohnanschrift sollen seit Jahren im Netz frei zugänglich sein. Es ist nicht der erste derartige Fall bei bundesdeutschen Geheimnisträgern.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) und die Online-Präsenz der Tagesschau heute Morgen berichten, haben Journalisten des WDR und der SZ eine Datenpanne beim Bundesnachrichtendienst aufgedeckt. Demnach kursieren schon seit Jahren sensible Daten eines hohen Beamten des deutschen Auslandsgeheimdiensts öffentlich zugänglich im Internet. Der BND-Funktionsträger soll von dem Datenleck gewusst, die kompromittierten elektronischen Kontaktdaten jedoch nicht aufgegeben haben.

Den Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Betroffenen um Dag Baehr, einen Generalmajor der Bundeswehr, der als militärischer Vize-Präsident des BND seit dem Jahr 2023 für die strategische Militäraufklärung im Ausland verantwortlich ist. In seine Zuständigkeit fallen Informationen von hohem Geheimhaltungsgrad. Zuvor war Baehr bei der Bundeswehr als Kommandeur der Elite-Einheit Kommando Spezialkräfte (KSK) eingesetzt, bevor er zum Kommando Strategische Aufklärung kam.

Die im Internet vorhandenen Daten sollen die private Handynummer von Baehr, mehrere E‑Mail-Adressen sowie seine private Wohnanschrift in Bayern umfassen. Ins Netz gerieten sie offenbar im Jahr 2020, als ein US-amerikanisches Online-Auktionshaus Opfer eines Hacker-Angriffs geworden war und die rund 3,4 Millionen Kundendaten ins Internet gelangten.

Das Auktionshaus hatte damals zwar seine Kunden über den Datenabfluss informiert, offenbar sah Dag Baehr darin keinen Anlass, die betroffenen Handynummern und die E‑Mail-Accounts stillzulegen. Denn die Reporter von SZ und WDR wollen den BND-Spitzenbeamten noch im September 2026 unter der damals ans Licht gekommenen Nummer erreicht haben.

Im Gespräch mit den Journalisten soll Baehr angegeben haben, er wisse von dem Datenleck. Die geleakte Handynummer nutze er nur privat und in eingeschränktem Umfang für Personen aus seinem familiären Umkreis, die Schwierigkeiten hätten, sich neue Nummern zu merken. Außerdem lasse er das Mobiltelefon regelmäßig auf Schadsoftware überprüfen.

Einige Wochen später soll der Zwei-Sterne-General gegenüber SZ und WDR dann erklärt haben, er habe die Nutzung der betroffenen Nummer mittlerweile aufgegeben. Es sei ein Fehler gewesen, die Nummer behalten zu haben.

Brisant ist ein Hinweis des Rechercheteams, dass der militärische Vize-Chef des BND die offen zugängliche Nummer nicht nur im familiären Bereich genutzt haben könnte. Mehrere Beamte und Militärs der deutschen Sicherheitsbehörden sollen angegeben haben, dienstlich unter dieser Nummer mit Baehr Kontakt gehabt zu haben. Ob sie die Nummer lediglich in ihren Mobiltelefonnummern eingespeichert hatten oder mit ihr auch sicherheitsrelevante Telefongespräche mit Baehr geführt haben, ist bisher unklar.

Der BND hat sich bisher noch nicht zu diesem Vorfall geäußert, das Bundeskanzleramt blieb in seiner Stellungnahme im Allgemeinen. Die mutmaßliche Sicherheitspanne eines BND-Vertreters fällt in eine Zeit, in der Medien und Behörden die deutsche Öffentlichkeit immer häufiger mit Meldungen über angebliche russische Spionage in Unruhe versetzen.

Dabei sind es offenbar BND- oder Ex-BND-Beamte selbst, die einen unvorsichtigen Umgang mit ihren Daten pflegen. Als weiteres Beispiel wäre etwa der frühere BND-Vize-Chef Arndt Freytag von Loringhoven zu nennen, der im Frühjahr 2026 zum Phishing-Opfer wurde. In Zeiten der "Spionomanie" (die Wortbildung stammt von Russlands Botschafter Sergei Netschajew) mussten dafür natürlich russische Dienste gemacht werden.

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